Mein Alltag versuche ich mit den unterschiedlichsten Tools zu gamifizieren bzw. durch Gamification zu optimieren. Ganz nach dem Vorbild von Yukai Chou. Bei manchen ist es eine bewusste Entscheidung, bei anderen hat sich die Nutzung einfach ergeben. Fangen wir an, in welchen Bereichen ich Gamification nutze, um meinen Alltag einfacher, effizienter und unterhaltsamer zu gestalten:

 

Frau mach Dehnübungen auf Fitnessmatte

Foto von Jonathan Borba von Pexels

Fitness/Gesundheit

In diesem Bereich nutze ich verschiedene Tools.

Ein ganz klassisches Werkzeug ist hier meine Apple Watch, mit der ich mittels der Aktivitäten-App darauf achte, dass ich mindestens 30 Minuten pro Tag trainiere, ein gesetztes Ziel an Kalorien verbrauche und mindestens 1 Minute pro Stunde über 12 Stunden verteilt stehe. Dabei unterstützen kleine Wettbewerbe mit Freund:innen oder auch besondere Auszeichnungen in bestimmten Zeiträumen meine Fitness-Reise. Außerdem überwache ich so mit verschiedenen Apps, wie gut meine Fitness im Vergleich zu meiner Altersgruppe ist, wie mein Puls über den Tag verteilt in verschiedene Fitnesskategorien fällt, oder wie oft ich bspw. achtsame Minuten des Atems am Tag hatte.

Als neues Tool habe ich die Nintendo Switch mit dem Spiel Ringfit Adventures entdeckt. Mit dem Spiel kann ich Fitness spielerisch integrieren und erstaunlicherweise fühlen sich 100 Armpressen, Sprinten auf der Stelle oder Squats nicht mehr wie ein Pflichtprogramm an, wenn ich damit Rekorde brechen oder in einer virtuellen Welt damit Monster bekämpfen kann.

Mit der WW App kann ich durch tägliches Tracken meiner Mahlzeiten, meines Schlafs und meiner Aktivitäten Punkte freispielen oder auch Auszeichnungen erreichen. Die Community in der App bietet ähnlich wie Facebook einen sozialen Austausch. Durch die Zugehörigkeit zu bestimmten Teams oder auch der Vorgabe von einzuhaltenden bzw. zu erreichenden Werten wird man motiviert dranzubleiben. Verpasst man gesetzte Ziele wird man aber nicht bestraft, sondern bekommt Alternativen oder auch kleinste Schritte aufgezeigt, mit denen ein Fortschritt zu erreichen ist. Regelmäßig werden neue Rezepte, Workouts, Audios oder auch Beiträge in der Community veröffentlicht, so dass man immer auf dem Laufenden bleiben möchte (Fear of missing out und Neugierde).

Meine Werte wie Gewicht und Körperfettanteil tracke ich regelmäßig mit unserer smarten Withings Körperfettwaage. Auch hierzu gibt es eine App, die mir meinen Verlauf und meine Erfolge anzeigt. Ich kann mir Ziele setzen und erhalte motivierendes Feedback.

 

Sparschwein und Münzen liegen verteilt auf Tisch

Finanzen

Gamifizierung bei den eigenen Finanzen kann ebenfalls ein starkes Mittel sein, an Zielen zu arbeiten. Konkret setze ich mir bspw. fix definierte Sparziele auf meinen Tagesgeldkonten. So sehe ich anhand eines Fortschrittbalkens mit jeder Einzahlung, wie weit es noch bis zu meinem Sparziel ist.

Das monatliche Auflisten meiner Ein- und Ausgaben mit Hilfe eines Haushaltsbuchs verschaffen mir eine Art Checkliste. So erfasse ich bereits bekannte Fixausgaben und sehe genau, welche Spielräume ich habe und wo ich entweder durch Sonderzahlungen eine Null erreichen kann oder wo noch Potential besteht meine Sparrate zu erhöhen. Alleine das Visualisieren und das Erreichen von Nullständen bei Krediten/Ratenzahlungen schafft eine gewisse Genugtuung, die ich als positive Energie nutze.

Die Lucky Bitch Money App gehört zu einem eher ungewöhnlichen Tool. Um an meinem Money-Mindset zu arbeiten, nutze ich diese App, um Geldströme zu mir zu visualisieren und finanzielle Ziele zu manifestieren. Mag mancher schon als zu esoterisch ansehen – im Grunde ist es aber nicht mehr als durch das Beschäftigen mit den eigenen Geldflüssen aktiver neue Wege zu entdecken. Und das Eingeben von konkreten Geldflüssen und vor allem monatlichen Zielen schafft neben einer Verbindlichkeit auch eine Motivation diesem Ziel immer schneller näher zu kommen. Man beginnt sich aktiver mit dem Ziel und möglichen Lösungen auseinanderzusetzen, anstatt in einem passiven Denken (“ich habe zu wenig Geld”) zu verharren.

 

Mann reinigt Fensterscheibe mit Abziehen

Foto von Nathan Cowley von Pexels

Alltagsroutinen/Haushalt/ToDos

Vor einem Monat habe ich begonnen, die App und Webseite Habitica zu nutzen, um mich zum Erledigen meiner alltäglichen Aufgaben noch mehr zu motivieren. Ich muss feststellen, dass ich durch die App viel einfacher neue Routinen etablieren kann, da ich es als große Genugtuung empfinde Aufgaben abzuhaken, um dafür Punkte zu sammeln. Erledige ich etwas nicht, obwohl ich mir für den Tag ein Zieldatum gesetzt habe, verliere ich auch Punkte. Für das Erreichen verschiedener Punktzahlen habe ich mir selber verschiedene Belohnungen ausgedacht. So belohne ich mich bspw. nach einer gewissen Punktzahl damit, dass ich wieder eine größere Bestellung in meinem Lieblings-Künstlerbedarf-Shop aufgeben darf. So bewahre ich mich davor zu oft dort einzukaufen und es fühlt sich noch viel mehr nach einer hart erarbeiteten Belohnung an. Zu Habitica kann ich im Grunde auch einen kompletten Beitrag schreiben, da die Möglichkeiten wirklich umfangreich sind. Für mich sind die wichtigsten Faktoren auf jeden Fall das Erreichen aber auch Verlieren von Punkten, Aufleveln, Einlösen von Punkten und die Teilnahme an Community Challenges, bei denen ich ein Set an Aufgaben erhalte und dann in einem definierten Zeitraum absolvieren muss. Alles, um meinen Alltag ein Stückchen mehr zu optimieren.

 

kleine Pflanze in Hand haltend

Foto von Akil Mazumder von Pexels

Nachhaltigkeit

Auch der Bereich Nachhaltigkeit bietet einige Gamifizierungs-Möglichkeiten. Ein erster und einfacher Schritt, den ich zu Hause etabliert habe, ist das regelmäßige Tracken unseres Mülls (Restmüll und gelbe Tonne). Also wie oft wir eine volle Tonne zur Leerung rausstellen. So spornen wir uns regelmäßig an, weniger Müll zu produzieren, um die gelbe Tonne möglichst selten rauszustellen. Beim Restmüll sind wir mittlerweile schon am untersten Limit der verpflichtend bezahlten Leerungen. Bei der gelben Tonne gibt es aber noch einiges zu optimieren. In Zeiten von Corona leider nicht so einfach – aber der Blick auf den Kalender mit den eingetragenen Leerungen erinnert einen immer wieder daran, doch noch weiter Plastik zu reduzieren.

Bei unseren Autos (ja wir haben mehrere durch das Leben auf dem Land) gibt es natürlich auch Einsparpotential beim Kraftstoff. Ich halte es nicht für sinnvoll einen nicht so alten vorhandenen Benziner oder Diesel zu verkaufen, um dann einen durchaus auch kritisch zu betrachtenden Hybriden oder Elektrowagen zu kaufen. So fahre ich also weiter meinen sparsamen kleinen Japaner – achte aber immer darauf, wie mein aktueller Verbrauch ist, bzw. wie er auf eine Tankfüllung hochgerechnet ist. Mit einer App wie Spritmonitor kann ich dann auch meinen Verbrauch über die Jahre und auch die einzelnen Monate genauer betrachten. Gerade auch das Verbrauchs-Ranking (Leaderboards) nach Automodellen empfinde ich als anspornend. Aktuell liege ich bspw. bei 120 Nutzern der App mit dem gleichen Automodell auf Platz 31 vom Verbrauch.

Auch für unseren Stromverbrauch zu Hause wollten wir unseren Sportsgeist wecken. Hier kommt uns entgegen, dass wir in unserem Hause ein umfangreiches Smarthome eingebaut haben, dass Dank KNX einfach erweiterbar ist. So hat mein Mann für unseren aktuellen und langfristigen Stromverbrauch eine Visualisierung erstellt. Darüber sehen wir jetzt per Tablett, wie der aktuelle Verbrauch ist und ob wir im grünen oder schon roten Bereich sind. Beim roten Bereich können wir so direkt Verbrauchsspitzen und so Energieräuber im Haus identifizieren. Ziel ist es, dass wir möglichst immer im Grünen Bereich bleiben und dass wir unter einem für uns selber gesetzten Jahreswert bleiben. Weitere Ideen haben wir auch noch. Meine Wunschvorstellung ist bspw. durch eine animierte Pflanze anzuzeigen, wie gut wir im Stromsparen aktuell sind. Oder einen besonders geringen Verbrauch mit Belohnungen zu versehen.

Dass wir durch unseren Computergebrauch und vor allem durch das Verwenden von Onlinesuchen ganz gewaltig Strom verbrauchen sollte mittlerweile jedem bewusst sein. Für meinen Computer zu Hause kann ich zumindest beeinflussen, dass ich nur Ökostrom verwende. Für meine Onlinesuche wird das schon schwieriger. Da ich täglich privat wie beruflich durchaus sehr viele Onlinesuchen durchführe, habe ich kurzerhand die Standardsuchmaschine auf meinem Arbeits- wie Privat-Laptop zu Ecosia abgeändert. Zusätzlich nutze ich die Ecosia App auf meinem Handy. So suche ich immer zuerst nachhaltig, indem durch meine Suchen regelmäßig Bäume gepflanzt werden. Dadurch habe ich aktuell gut 70 Bäume, nur durch meine Onlinesuchen pflanzen lassen, um etwas gegen den Klimawandel zu tun (Epic Meaning).

 

Mann schaut in ein leuchtendes Buch

Foto von Kaushal Moradiya von Pexels

Lernen

Gamifizierung macht natürlich vor dem Bereich des Lernens auch nicht halt. Um mich weiterzubilden nutze ich u.a. Audible. Hier finde ich regelmäßig neue Hörbücher zu Fachthemen. Auch dort gibt es diverse Gamification-Elemente. Neben dem klassischen Fortschrittsbalken, der mir anzeigt wie viel ich von meinem Hörbuch noch hören kann, gibt es Elemente wie Auszeichnungen, die ich durch mein Hörverhalten freispielen kann. So sehe ich in meinem Profil z.B. dass ich bereits 55 Titel gehört und 12 Trophäen (Badges) gesammelt habe (development & accomplishment).

Zusätzlich schaffe ich es natürlich mit einer ganz klassischen To-Do Liste festzuhalten, was ich noch lernen/lesen/hören will und was ich schon alles erreicht habe. Solche Listen funktionieren zwar nicht für jedermann – falls man aber das befriedigende Gefühl kennt, wenn man einen Punkt von der Liste streichen konnte, sollte sich auch mal eine explizite Liste, was man noch lernen will, erstellen. Am besten mit Zieldaten versehen und in Habitica tracken, um so die Motivation mit Hilfe eines Countdowns zu verstärken.

 

 

Ich stelle fest, dass mein Leben mittlerweile doch schon ganz schön gamifiziert ist. Es gibt aber durchaus noch viel Potential. Im Bereich des selbstgesteuerten Lernens muss ich bspw. noch mehr für mich entdecken. Wobei ich da auch sehr stark intrinsisch motiviert bin und bisher nicht unbedingt weitere äußerliche Einflüsse zur Motivation benötigt habe. Aktuell konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Bereich Finanzen und Alltagsroutinen – da dort die Eigenmotivation leider manchmal etwas nachlässt.

Ich hoffe, ich konnte damit einige interessante Denkanstöße geben, wie man mit kleineren oder größeren Elementen sich selber etwas austricksen kann, um sich zu vielleicht nicht so angenehmen Aufgaben zu motivieren.